Es war einmal

Original Android Robot CC by android.com.

Vor gar nicht allzu langer hatte ich ein Handy, wegen seines Funktionsumfangs eigentlich ja ein Smartphone, das konnte alles was im alltäglichen mobilen Leben gefragt ist. Termine und Kontakte verwalten, Mails bearbeiten, Twittern, Websurfen und wenn das Display doch mal zu klein war, war es ruckzuck per USB oder Bluetooth mit dem Notebook verbunden und verrichtete seinen Dienst als UMTS-Modem. Die Synchronisation mit der Adressdatenbank und dem Kalender einer Horde-Groupware-Installation klappte Dank SyncML problemlos. GPS beherrschte es auch noch. Das Wunderding war das Nokia E71, eher schlicht von Gestalt und wegen seines in die Jahre gekommenen Betriebssystems Symbian, hier und dort ein wenig belächelt.

Was das Outfit angeht kann ich mir das Lächeln selbst nicht verkneifen. Was die Funktionalität angeht, ist es mir mittlerweile vergangen. Nach drei Monaten Android auf dem Motorola Milestone wundere ich mich selbst, zu welchen Zugeständnissen ich bereit bin, nur um einen Klotz mit Touchscreen herumzutragen. Keine Frage, mit dem grossen Display der Milestone kann man tolle Sachen machen. Im Netz surfen geht damit so gut, dass das Notebook öfter in der Tasche bleibt.  Es gibt auch einige wirklich nette Programme für Android, wie etwa die hier im Blog schon erwähnte Codecheck. Fürs Geocaching eignet es sich in meinen Augen auch besser als das Nokia E71 und für das, was man im weitesten Sinne als Augmented Reality bezeichnen könnte, ist Android auch die geeignetere Plattform.

Aber das wars dann auch. Tethering, also die Verwendung als UMTS-Modem geht gar nicht. Synchronisation von Kalendern und Adressen geht nur über  Google Mail bzw. Google Kalender oder einen Exchange-Server. Die Google-Dienste mögen einfach einzurichten sein, sind aber nicht mein Fall, das ist neben datenschutzrechtlichen Aspekten auch eine Frage der Usability. Google Kalender verwende ich gar nicht und Google Mail nur für die Kontakte, die mich via Google kontaktieren, etwa über Google Wave. Was den Datenschutz angeht, ist mein Problem weniger, dass die Daten grundsätzlich auf einem Server liegen, viel mehr geht es mir darum, dass ich nicht ungefragt Kontaktdaten anderer Personen an einer Stelle ablege, die sich meiner Kontrolle entzieht. In meinem Fall kommt da sicher noch erschwerend hinzu, dass sich unter meinen Kontakten relativ viele Google-Kritiker befinden und deren Adressen dann ausgerechnet dort zu speichern, ist in meinen Augen nicht gerade als die feine Art.
Bei all dem Unbill mit Android fällt der lausige Mailclient, der mitgeliefert wird, nicht mehr so ins Gewicht. Glücklicherweise ist K-9 Mail schnell installiert und um Längen besser.

Um die Misere mit den nicht synchroniseirten Terminen und Kontakten zu beenden, habe ich mich entschlossen eine Groupware zu installieren, die einen Exchange-Server nachahmt. Zimbra und Zarafa kamen auf den zweiten Blick als potentielle Kandidaten in Frage. Beim dritten Blick fiel die Entscheidung auf Zarafa, weil es sich einfacher in meine Mailserverlandschaft einfügen lässt. Die Installation war auch vergleichsweise einfach und ist grob im Wiki beschrieben. Die Synchronisation von Terminen und Kontakten klappt einwandfrei. Bei Mail muss ich leider wieder auf den Standard-Mailclient von Android zurückgreifen. Das von mir bevorzugte K-9 Mail kann zwar grundsätzlich auch auf Exchange-Server zugreifen, allerdings nur via WebDAV, das Zarafa aber nicht implementiert hat. Grundsätzlich ginge zwar IMAP, das Zarafa ebenso wie POP3 anbietet, dabei kommt mir aber regelmässig die Ordnerstruktur durcheinander.
Überhaupt scheint mir Zarafa weit weg von dem zu sein, was ich mit Horde als Groupware und der Kombination aus Postfix + Dovecot als Mailserver gewöhnt bin. Dem Webclient von Zarafa will ich dabei gar nicht absprechen, dass er schick aussieht. Meine Begeisterung für die Bedienbarkeit hält sich aber schwer in Grenzen, das mag sich durch Gewöhnung noch ändern. Nur bedingt ändern werden sich die Filterregeln, mit denen Mails automatisch sortiert werden. Sie können mit der Leistungsfähigkeit von Sieve nicht im Ansatz mithalten.

Eine ausgesprochen ärgerliche Situtaion. Fast möchte man sagen, es ist egal was es macht, Hautpsache es sieht gut aus. Dumm nur, dass ich mein Nokia E71 nicht reaktivieren kann, das benutzt jetzt meine Frau und hat sich mit der einfachen Handhabung schon angefreundet. So bleibt das Mantra, dass beim nächsten Update bestimmt alles besser wird. Bin  jedenfalls gespannt, für Android 2.2 wird Thethering ja als Neuheit angekündigt.

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8 Antworten auf Es war einmal

  1. Felix sagt:

    Hi,

    probier mal Moxier Mail. Habe das auch auf meinem Android und funktioniert super mit Zarafa und Z-Push 1.4

    Gruß Felix

  2. @Felix:
    Danke für den Hinweis, das kannte ich gar nicht. Hatte nur einen kurzen Blick auf Tochdown als Alternative geworfen.
    Grundsätzlich könnte Moxier Mail schon die angestaubte Mailanwendung ersetzen, ich wäre aber nach wie vor auf zwei Mailprogramme angewiesen. Um K-9 komme ich einfach nicht herum, weil ich ein paar IMAP-Server abfragen muss.
    Die andere Seite ist, dass ich nicht wirklich gewillt bin $25 für eine Funktionalität auszugeben, die ich in billigeren Smartphones um Lieferumfang vorfinde. Das klingt vielleicht knausrig, aber ich habe ja nicht den Druck Exchange od. Zarafa unbedingt einsetzen zu müssen, weil es meine Unternehmenspolitik wäre, ganz im Gegenteil.

  3. Horst sagt:

    Beim HTC Desire ist HTC Sync dabei. Eine kleine Anwendung, die mit Outlook und sogar Windows Kalender und Kontakten syncronisieren kann. Da war ich echt baff, als das so einfach ging.
    Allerdings ist HTC Sync unter Vista so eine Katastrophe, dass ich es schnell wieder deinstallieren musste. Einen im Sekundentakt blinkenden Mauszeiger (Busy) konnte ich nicht ertragen.

    Letztlich hat aber vor allem Radiant mein Herz im Sturm erobert. Modernes Retro-Gaming, wer braucht da Sync? 8-)

  4. @Horst:
    Keine Ahnung was Motorola da noch an Software mitgeliefert. Könnte es ja auch gar nicht ausprobieren ;-)
    Manuelle Synchronisation über Dateien ist im Grunde ja auch keine Problem, als Übergangslösung habe ich das so gemacht. Setzt aber halt immer voraus, dass der PC als “Zentrale” betrachtet wird und das ist er bei mir eigentlich nicht mehr.

    Irgendwie hat die Synchronisatio über USB auch was von Retrocomputing ;-)

  5. Bachi sagt:

    Tethering kommt ja nun bald offiziell, von dem hier ist mein Comment fast schon überflüssig:

    Tethering geht schon, jetzt mit und ohne root-Zugriff, s. hier:

    http://lifehacker.com/5447347/how-to-tether-your-android-phone

    Ich selber verwende AziLink auf meinem Milestone, das klappt ohne root und per USB-Kabel prima (ohne Kabel wär der Akku sowieso zu schnell leer :) .

  6. @Bachi:
    Natürlich hast Du recht, dass es grundsätzlich möglich ist. Der Punkt ist in meinen Augen aber wie einfach es möglich ist. Beim Nokia ging es out of the box, das sollte der Standard sein, nicht eigene Apps, die man installieren muss oder gar rooten der Teils.

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